Kath. Pfarrkirche St.
Remigius in Viersen

Denkmalbeschreibung:
Baugeschichte
um 340 Hlg. Helena gründet in Köln die Stiftskirche St. Gereon,
schenkt der Kirche Ländereien in Viersen; daraufhin vermutlich
1.christliche Kirche in Viersen mit Pfarrpatron St. Gereon
vor 843 Errichtung einer fränkischen Saalkirche, die St. Remigius,
Bischof von Reims geweiht war (Gesamtlänge: 17 m, Breite: 8,70 m,
offener Chorraum: 4,90 m x 5,40 m). Fundamente 1982 unter Fußboden des
Mittelschiffes entdeckt, durch Glasfenster sichtbar, Kennzeichnung durch
dunkle Marmorplatten.
Ende 12. Jahrhundert Bau einer romanischen Pfeilerbasilika mit nachträglichem
Anbau einer westlichen Vorhalle
2. Hälfte 14. Jahrhundert Errichtung Westturm mit nach Norden
verschobener Längsachse, Erweiterung der Chorapsis
Mitte 15. Jahrhundert Errichtung der spätgotischen, gewölbten
Staffelkirche, südliche Pfeilerfundamente von der romanischen Basilika
übernommen
um 1500 Beschädigung und Wiederherstellung des Turmes
1667 Beschädigung des Turmes durch Sturm, Beseitigung der bekrönenden
Balustrade (1895 wiedererrichtet)
1699 Einsturz zweier Arkadenpfeiler im Südwesten (auf romanischen
Fundamenten) mit samt Obergaden und anliegenden Gewölben
1701-1703 Wiederaufbau und Einwölbung der zerstörten Teile
1864-1866 Instandsetzung des Langhauses nach Plänen von Vincenz Statz
1869 Neugotische Hoch- und Seitenaltäre, neue Glasfenster
1895-1897 Umfassende Restaurierung des Westturms durch J. Kleesattel
1897-1898 Verlängerung beider Seitenschiffe nach Westen mit Einbau von
Orgeltreppen, Reliefschmuck an beiden neuen westlichen Stirnseiten (von
L. Piedboeuf), neue Sakristei im Südosten
1906 Neuer Kirchenfußboden mit figürlichen Mosaikbildern
1929 Bauliche Sicherung: Betonringanker am Obergaden, Chor, Turm;
Erneuerung zweier Arkadenpfeiler im Südosten
1945 Brand (durch Fliegerbomben) des Dachstuhls und des Turmhelms,
Einsturz aller Gewölbe des Mittelschiffes, des Chores, des nördlichen
Seitenschiffes, des Turmgewölbes. Verlust eines Teiles der Ausstattung,
Zerstörung der Sakristei im Südosten
1946-1947 Erneuerung der Dachstühle und der Gewölbe, Instandsetzung
des Mauerwerks
1949 Einbau der neuen Orgel
1953-1955 Instandsetzung des Turmes, Erneuerung des Helmes
1962 Neuer Glockenstuhl
1982-1983 Ausbau der Orgel von 1949 und des Hochaltares, Absenkung des
Fußbodens, Einbau einer Fußbodenheizung und Erneuerung des Fußbodenbelages
(Mosaike in die Seitenschiffe),
Grabfunde im Bereich der fränkischen und romanischen Fundamente: 27
Bestattungen, davon sechs Priestergräber, ein Grab aus Zeit der fränkischen
Saalkirche
1989 Restaurierung der Reliefs
Beschreibung
Spätestens gegen Ende des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche ihre endgültige
Gestalt. Es entstand eine dreischiffige Hallenkirche mit erhöhtem
Mittelschiff (Staffelkirche), querrechteckigem Chor und dreiseitig
geschlossener Apsis.
Die Südarkaden stehen auf der Fundamentmauer der romanischen
Arkadenreihe, das Mittel- und das nördliche Seitenschiff wurden nach
Norden verbreitert, die Außenwand des südlichen Seitenschiffs hatte
schon durch den Plan des 14. Jahrhunderts ihre endgültige Lage
erhalten. Durch geschickte Ausnutzung des Vorhandenen entstand ein
einheitlicher Bau, der allerdings in der Folgezeit durch eingreifende
Instandsetzungen wieder beeinträchtigt wurde.
Der stattliche, den Formen nach spätgotische, 1895 durch Kleesattel
restaurierte Westturm erhebt sich in drei Hauptgeschossen über einem
niedrigen Erdgeschoss. Er besteht aus mit Tuff verkleidetem
Backsteinmauerwerk über Basaltsockel. Seine vom heutigen Dachraum des
Langhauses verdeckte Ostseite zeigt das ursprüngliche, von den späteren
Beschädigungen und Instandsetzungen unberührte Backsteinmauerwerk mit
drei Maßwerkblenden in Sandstein, die der Form nach ins 14. Jahrhundert
gehören. Im fensterlosen Erdgeschoss das 1895 erneuerte Westportal. Das
dreibahnige, 1895 an Stelle einer Blende eingesetzte Portalfenster nimmt
die volle Höhe des unteren Hauptgeschosses ein und wird von zwei
zweibahnigen Maßwerkblenden flankiert, die direkt auf dem unteren
Horizontalgesims aufsitzen. In den oberen Geschossen und an den
Turmseiten die gleiche Blendenarchitektur. Mit Ausnahme des vom Dachraum
des Langhauses verdeckten Wandabschnittes wurde alles Maßwerk 1895
erneuert und das Obergeschoss, das bis dahin nur aus Backstein bestand,
in Tuff verkleidet. An der Nordseite ist ein bis zu den Schalllöchern
reichendes rechteckiges Treppentürmchen angefügt, um das die
Horizontalgesimse verkröpft sind und das die Gliederung der letzten
Achse nach Osten aufnimmt. Die Bekrönung mit Spitzbogenfries und
durchbrochener Balustrade ist 1895 und nach 1953, der Spitzhelm um 1955
erneuert worden.
Vom Langhaus überdauerten das gesamte Mauerwerk einschließlich der
zehn Arkadenpfeiler sowie das Gewölbe des südlichen Seitenschiffes den
zweiten Weltkrieg. Der Dachstuhl, die Gewölbe des Mittel- und des nördlichen
Seitenschiffes wie auch der größte Teil der neurotischen Ausstattung
gingen 1945 verloren. 1947-49 wurden die fehlenden Gewölbe in Backstein
mit Rippen aus Tuff, das Turmgewölbe in Tuff und die Dachstühle der
drei Schiffe aus Stahl mit Pfannendeckung erneuert. Dabei wurde auch das
schadhafte westliche Gewölbefeld des südlichen Seitenschiffes in
Backstein wiederhergestellt.
Innen
Die neuen Mittelschiffgewölbe ruhen mit ihren Rippen auf erneuerten
Wandkapitellen über vom Boden her aufsteigenden Diensten, die oberhalb
der Arkadenkämpfer rechteckigen Wandvorlagen eingebunden sind. Die
Pfeilersockel und die Kämpferprofile der Nordarkaden sind um die
Dienste verkröpft, während die Kämpfer der Südarkaden von den
Diensten durchbrochen werden. Im Chor liegen die Dienste vor
Wandvorlagen mit gefassten Kanten: die beiden mittleren Chordienste
werden knapp unterhalb der Fensterbänke von gotischen Kopfkonsolen
unterfangen. Bis 1945 waren an Stelle der neuen Rippenkonsolen im Chor
zum Teil mit Köpfen verzierte Blattkonsolen angebracht, die beim
Wiederaufbau sorgfältig herausgelöst worden sind und, mittels
Marmoraufsätzen, heute als Weihwasserbecken dienen.
Die wie die Mittelschiffgewölbe 1946 bis 1947 erneuerten
Seitenschiffgewölbe ruhen mit ihren Rippen auf gotischen Blattkonsolen,
15. Jahrhundert. Alle Fenster der beiden Seitenschiffe erhielten 1865/66
in Trierer Sandstein erneuertes Maßwerk.
(siehe C.W. Clasen: Die Denkmäler des Rheinlandes. Viersen, Seite 14 f)
Die Apostelfiguren des ehemaligen Hochaltares von 1869 wurden in den
Seitenschiffen auf Wandkonsolen aufgestellt.
St. Remigius kommt als ältester Kirche in Viersen besondere Bedeutung
zu, denn die Funde aus fränkischer, romanischer und gotischer Zeit
geben wichtige Hinweise auf die Entwicklung des Ortes und der Gemeinde.
Ihre städtebauliche Bedeutung prägte über Jahrhunderte hinweg das
Erscheinungsbild des Ortskerns, dessen geistliches Zentrum sie war.
Die Ausstattung mit wertvollen Kunstgegenständen
aus unterschiedlichen Epochen trägt wie die verschiedenen Bauphasen zur
Einzigartigkeit der Kirche bei.
Aus wissenschaftlichen, insbesondere
architekturhistorischen, archäologischen, kunstgeschichtlichen und städtebaulichen
Gründen liegen der Erhalt und die sinnvolle Nutzung der Kirche St.
Remigius gemäß § 2 (1) DschG im öffentlichen Interesse.